Wie wird Ton abgebaut?
Illustrierte Schülerarbeit Klasse 6c, 1997
Gymnasium Calvarienberg Ahrweiler

Tongrube ca. 1960

Mein Onkel Tonius hat letztens eine Zeitmaschine gebaut, ein echt schräges Ding, sag ich euch. Und dann hat er mir erlaubt, einmal in die Vergangenheit zu fahren. Da die Maschine noch nicht erprobt war, durfte ich nur ca. 50 Jahre zurückfahren.

Die Zeitmaschine landete in einer alten Tongrube.

Viele Männer haben uns Tonklümpchen mit Presslufthämmern abgebaut.
Danach wurden wir auf von einer Diesellok gezogenen Kipploren geladen und aus der Grube transportiert. Der Fahrer erzählte mir, dass vor einigen Jahren der Ton noch mit Handspaten abgebaut wurde.

Auf dem großen Bild unten sehen wir in die Tongrube Lantershofen hinein; das Bild ist ungefähr im Jahr 1912 gemacht worden. Der schwarze Mann mit Hut ist der Betriebsleiter Georg Thibes.

Bagger gab es zu dieser Zeit noch nicht. Alles wurde mit der Hand gemacht. Die Arbeiterkolonne links hat sich eine Rutsche gebaut, um damit die Tonschollen besser in der Lore unterzubringen. Der Mann oben rechts bewegt eine hölzerne Schubkarre, mit welcher die Erde, die über dem Ton liegt, fortgeschafft wurde. Die Tonstecherkolonne hinter dem Herrn Thibes haben alle schwere Tonspaten in der Hand. Einen solchen original alten Tonspaten könnt Ihr auf der Startseite von www. kettiger.de sehen.

Das Bild oben wurde eigens für den Fotografen "gestellt". Bis dieser das Bild im Kasten hatte, werden wohl ein bis zwei Stunden vergangen gewesen sein.

Nach dem Besuch in der Tongrube fuhren wir zu einem der zwanzig Brennöfen der Schamottebrennerei. Da wurden ca. 25 Tonnen Tonschollen (der abgestochene Ton) in jeden Ofen geladen und darin eingemauert.

Nach etwa 2 Tagen Brennen mit Flüssiggas bei mehr als 1200 Grad Celsius wurden die Mauern wieder aufgerissen und nach weiteren 2 Tagen Abkühlen wurden die fertigen „Batzen“ des gebrannten Tones (Schamottestücke) zu einem Zwischenlagerplatz transportiert und dann zur Weiterverarbeitung, z.B. zur Herstellung von Schamottesteinen für die Ausmauerung der Hochöfen der Eisenindustrie geschickt.

Als ich dann wieder zurück in der alten Tongrube war, zuerst fand ich die Zeitmaschine nicht. Doch da half mir der Zufall. Ich traf auf einen großen Steinbrocken, den ich auch am Anfang meiner Bahnfahrt gesehen hatte. Ich erklärte ihm, dass die Zeitmaschine silbern sei und hier irgendwo stehen müsste. Der Stein hieß Wiegald von Steinigen und erklärte mir den Weg zur Zeitmaschine, die er in der Sonne funkeln sah.

Als ich dort ankam, wurde es schon langsam dunkel. Ich drückte auf „Start“ und war in Sekundenschnelle wieder bei Tonius. Er erzählte mir, dass wir Tonklümpchen heute ganz anders abgebaut werden, nämlich mit Baggern.

Es gibt Schaufelradbagger und Löffelbagger.

Der Schaufelradbagger baggert uns auf ein Förderband, welches uns aus der tiefen Grube nach oben auf einen Verladeplatz befördert.
Dort werden wir mit einem Schaufellader auf Lastwagen verladen. Wohin diese fahren, wusste Onkel Tonius nicht. Aber er meinte, dass ich bald mit einem solchen Lastwagen wegfahren würde.

Unten könnt ihr sogenannte Brennplättchen sehen. An den Brennplättchen können die Keramiker erkennen, wie eine bestimmte Tonsorte sich beim Brennen verhält. So ändert der Ton beim Brennen zum Beispiel die Farbe, das Volumen, oder die Form.

Man sagt, der Ton “schwindet” beim Trocknen, das heiß, das Volumen des Tones nimmt ab. Auch beim Brennen entsteht ein Verlust an Volumen, der “Glüh-verlust”. Mit steigender Brenntemperatur nimmt in der Regel die Gesamtschwindung (Trockenschwindung plus Glühverlust) und die Färbveränderung zu.
Dies kann man an den drei Brennplättchen sehr gut erkennen. Die Brennplättchen waren vor dem Brennen gleich lang.

Der Ton sintert beim Brennen, d.h., die Poren verdichten sich, Verunreinigungen beginnen zu schmelzen und das Plättchen brennt dicht. Dies kann man sogar fühlen!

gebrannt bei 1050°C: “schwach” gebrannt, wenig Glüverlust, wenig Farbänderung, schwach gesintert, kaum Verunreinigungen sichtbar

1150°C: “normal” gebrannt, stärkerer Glühverlust, etwas dunkler, gut gesintert, Verunreinigungen deutlicher

1350°C: stark “überbrannt”, starker Glühverlust, starke Farbänderung, stark gesintert, Verunreinigungen treten hervor.

Die drei Brennplättchen sind gebrannt aus einem sogenannten “hellbrennenden” Ton, der für Wand- und Bodenfliesen, z.B. in eurem Badezimmer, Verwendung findet. Der Tonerdegehalt (Al2O3) beträgt ungefähr 25 % der Gesamtmasse, der Eisengehalt (Fe2O3), der meistens für die Farbe Rot verantwortlich ist, ist sehr gering (ca. 1 %).

Es gibt aber auch Tone, die weiß, gelb, creme, grau, lila oder rot brennen.
Das Brennplättchen oben ist ein “rotbrennender” Ton. Der Eisengehalt liegt zehn mal höher als bei den drei Brennplättchen oben (also 10 %). Der Tonerdegehalt ist etwas niedriger, nämlich ungefähr 19 %. Ein solcher Ton wird unter anderem bei der Herstellung von Ziegeln, Klinkern und Dachziegeln gebraucht.