Tonpfeifen für die Weckmänner

Stolz trägt der Weckmann eine kleine, weiße Pfeife auf der Brust – ein beliebtes Spielzeug für Kinder, das sich gut zum Seifenblasenherstellen eignet, wenn der Weckmann selbst schon lange aufgegessen ist. Millionen solcher weißer Tonpfeifen werden jährlich im Kannebäckerland hergestellt.

Ein Dorf namens Hilgert im Unterwesterwald ist führend in der Pfeifenherstellung. Hier werden etwa seit dem Jahre 1820 aus Ton Pfeifen geformt und gebacken. Aber nicht nur die Pfeifen für den Weckmann, sondern auch Rauchpfeifen für Erwachsene.
(Näheres über Hilgert findet man unter
http://www.hoehr-grenzhausen.de/startseite/index.html)

Früher war die Pfeifenherstellung reine Handarbeit. Um das Jahr 1880 gab es in dem Dorf bei 600 Einwohnern 250 kleine Familienbetriebe, die Pfeifen produzierten.

Geschickte Frauenhände formten aus kleinen Tonröllchen Pfeifen, die dann in einer Metallform ihre endgültige Gestalt gewannen. Mit einem Metallbolzen drückte der Pfeifenmacher den Hohlraum in den Pfeifenkopf. Nun folgte eine sehr feine und schwierige Arbeit. Der Pfeifenstiel musste mit einem Draht durchstochen werden, das Zugloch entstand.

Nach dem Trocknen wurden die Pfeifen in feuerfeste Behälter, mit der Form eines Fasses, geschichtet und in diesen Kapseln im Brennofen gebrannt.

Heute gibt es nur noch wenige Pfeifenstuben im Ort. Die Pfeifenherstellung hat sich aber geändert; sie ist keine Handarbeit mehr. Die Tonröllchen werden in Maschinen gelegt, die mehrere Pfeifen mit einer Hebelwirkung formen.


Ein ausgefallenes Exemplar mit drei rauchenden Pfeifenköpfen
Tonpfeifen waren im 19.Jahrhundert überaus beliebt, doch heutzutage werden sie hauptsächlich zu dekorativen Zwecken hergestellt.

Häufig werden verschiedene Tone miteinander gemischt, um eine einheitliche Farbe zu bewirken. Tonpfeifen stammen ursprünglich aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich und England.

Tonpfeifen sind erheblich preiswerter als Bruyère- und Meerschaumpfeifen, haben jedoch den Nachteil, dass sie ziemlich zerbrechlich sind, obwohl dies ein niedriger Preis für ein richtig altmodisches Pfeifenerlebnis sein mag.

Tonpfeifen waren die ersten europäischen Pfeifen. Auch heute werden Tonpfeifen nach Altvätersitte gebacken. Rohkalk wird fein gemahlen und anschließend in einem großen Bottich gewässert. Nachdem er gut abgelagert und durchgeknetet wurde, wird der gebrauchsfertige Ton in Stangen gepresst.

Früher wurde der Ton von Hand in die Formen gegossen. Die roh geformten Tonpfeifen lagern anschließend zum Trocknen in flachen Holzkästen und werden dann verputzt, das heißt von Pressrückständen gesäubert und geglättet. Gebrannt wird 10 bis 12 Stunden bei ca. 900 Grad Celsius in großen Öfen, die oft bis zu 50.000 Pfeifen fassen. Heute werden Tonpfeifen kaum noch geraucht.

Wenn seit der Mitte des 18. Jahrhunderts die betuchten Pfeifenraucher auch dazu übergingen, nicht mehr aus einfachem Ton, sondern zunehmend aus Meerschaum, Porzellan, Holz oder kostbaren Materialien wie Silber oder Glas zu rauchen, blieb die Tonpfeife doch das Rauch instrument des "einfachen Mannes".